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Herr Bitte, Herr Danke und Frau Guten Tag


Quelle: http://gawker.com/this-coffeehouse-will-charge-you-less-if-youre-nice-m-1481061587

Fundstück /Umzugsaufwühlung

 

Manchmal stimmt das. Manchmal keinesfalls. Aus aktuellem Anlass würde ich jedenfalls sagen: Umzugskartons packen führt dazu, dass “der ganze Körper leidet”. Das Wühlen in dem alten Zeug, alte Briefe an irgendwen und alles wegwerfen wollen und dann doch noch hängen an altem Zeug und nicht wissen, welcher Stellenwert den nostalgischen Gefühlen gegeben werden soll. Ich rede mit den nostalgischen Gefühlen und versuche zu verstehen. Ein Gespräch, und nun: “der ganze [Kopf] leidet”. Berge von Zeug. Berge von Zeug. Und teilweise schönes, beglückendes Zeug.

Ja II

Druckbefehl

Internetordner

Print out the Internet.

Viel Papier. Noch mehr Papier. Ich hatte vor Jahren mal angefangen. Ein seit Jahren nicht aufgeschlagener Ordner, drinnen vermutlich der Versuch, “das Internet” (the internet according to me) alphabetisch zu ordnen oder so.

time is on my side

Langsam sein, total langsam.

Denken an Kristin Hersh, die zu einem Konzert vor vielen Jahren zu spät kam. Zwar pünktlich zum Konzert in der Passionskirche, aber insgesamt, wie sie sagte, drei Tage zu spät, und sie sei noch nie ganze Tage zu spät gekommen. Damals verstand ich nicht, wie das sein konnte, wie man sich so verspäten kann. Aber jetzt: Ich bin in mancher Hinsicht Jahre zu spät. Man muss, glaube ich, immer gründlich sein.

Rosetta – Kennen Sie den?

Denken an den Rosetta-Stone im British Museum hinter Glas, wirklich explizit gechützt im Gegensatz zu vielen anderen Exponaten, die herumstehen wie Besucher. Oder fast so. Die Menschen drücken sich gegen die Scheibe, der Stein ist einfach nicht erreichbar, man kommt zwar mit Blicken durch Glas, aber man kann mit den Blicken den Händen keinen Weg bahnen. (Kurz denken an diese Annahme: Wenn das Licht sich viel langsamer bewegte, bestünde die Wahrscheinlichkeit, dass man beim Laufen gegen eine Mauer ja doch einmal hindurchkäme – ohne Schaden zu nehmen – weil es eben aufgrund der Anordnung der sich bewegenden Teilchen dann gerade möglich wäre.)

In Gedanken den Stein berühren, die Schrift, die Zeit, die Ewigkeit (in etwa), Geschichte und Bedeutung etc. Aber eben nur in Gedanken. Im Nachbarsaal – Enlightenment – die Kopie des Rosetta-Stones, täuschend echt, eine Überraschung, die (so steht es auf einem Schild) berührt werden darf. Und das ist, als berührte man etwas Echtes, das Unerwartete und Heilige am Wegesrand, das Unfassbare, ein Ereignis, aber es ist auch so, als berührte man einen Witz.

Amanda Palmer zum Internationalen Frauentag

Amanda Palmer

Und heute kamen so zufällig die tollsten Frauen vorbei, das ist ein Glück, und wie schön, dass es die tollsten Frauen gibt. Power Rangers in their hearts and minds, die besten Power Rangers, die eigentlichen – und ich übersetze ein Manifest, und es ist gut.

Ernstens kleine Rutschpartie

 

 

 

 

 

 

 

Ich fuhr mit dem Zug nach London und zurück. Ich dachte darüber nach, wie es ist, mit diesen Mitreisenden, die in diesem Fall Fußballfans waren, und ich ärgerte mich nicht, dass sie laut waren und wirklich dummes Zeug redeten, dazu auch sehr lustiges Zeug, ich wurde eher traurig, weil es mir auf einmal so aufwendig vorkam, wie sie sich ihr Hochgefühl organisieren mussten, wie aufwendig sich viele irgendein Hochgefühl und Ereignis organisieren müssen, das ist ein krankes Resultat aus der Einteilung des Lebens in Dienst und Schnaps oder schönste Zeit und Ernst des Lebens etc.

Beeindruckend jedenfalls war der junge Mann, der in London Vauxhall einfach auf der spiegelblanken Fläche zwischen den beiden Rolltreppen nach unten rutschte: breitbeinig, fast fliegend, und irgendwie, ich weiß wirklich nicht wie, kam er ohne sich den Hintern zu verletzen über die Notbremsenknöpfe und Warnschilder hinweg, die auf dem Metall angebracht waren, oder er benutzte sie als Rampe. Er lachte, der war so glücklich, und so glücklich würde ich auch gern sein, vielmehr: eine solche Rutschpartie würde ich auch gern machen, aber mir fehlt die Geschicklichkeit. Wir auf der Rolltreppe nach oben sahen ihm staunend hinterher, seine Freunde lachten und freuten sich über ihn.

Es fehlt in den meisten Leben dieser Ausbruch, es fehlt so eine Seinsart, die weder Wahnsinn ist noch Übermut und nicht Rabaukentum und nicht Provokation und nicht Besäufnis als Freizeitgestaltung und als Seelenpflege und nicht Karneval und nicht Party, sondern Alltag, Teil eines Alltags, ich meine das, was wir den Kindern noch zugestehen: eben noch brüllen, dann schon lachen, ich meine eine sprunghaftere Kontinuität, eine Kontinuität, die spätestens aus der Draufsicht erkennbar ist, und ich meine einen neu zu definierenden, durchaus vergnügten Ernst des Lebens.

Let’s have a party tonight (mit Bonustierstück)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Primavera/Pause

Und es schneit seit Tagen, hier vor den Türen dieser Wolkenklause. Der Frühling, der schon da war und wirklich noch energisch um die Häuser schleicht oder knirscht oder die Häuser und jeden bedrängt, zieht sich geschlagen wie der alte Winter bei Goethe nochmals zurück (nicht geschwächt, nur wirklich beleidigt), um dann aber wieder zu kommen und Regen über uns zu schütten. Einstweilen steht die alte, eselgrau ausfasernde Palme am Hang und schneit ein und wird den Schnee später wieder von ihren Blättern gleiten lassen. Sie hat es nicht nötig, etwas abzuschütteln. Da steht eine Dame am Hang, aber sagt nichts. Ich warte? Wer weiß.

Die Dame/min Deern: