Category Archives: Voraussetzungen des Erfolgs

2014: seltsam werden

Lieblingssatz: “Ich bildete den Hochzeitszug” (Monika Maron: Stille Zeile sechs). Dazu der passende Hinweis: Don’t get bigger, get weirder.

Huch

The thing that made this meeting unusual was that one of their programmers had been invited to attend, so management could outline their web strategy to him. After the executives thanked me for explaining what I’d learned from log files given me by their own employees just days before, the programmer leaned forward and said “You know, we have all that information downstairs, but nobody’s ever asked us for it.”

I remember thinking “Oh, finally!” I figured the executives would be relieved this information was in-house, delighted that their own people were on it, maybe even mad at me for charging an exorbitant markup on local knowledge. Then I saw the look on their faces as they considered the programmer’s offer. The look wasn’t delight, or even relief, but contempt. The situation suddenly came clear: I was getting paid to save management from the distasteful act of listening to their own employees.

Quelle: http://www.shirky.com/weblog/2013/11/healthcare-gov-and-the-gulf-between-planning-and-reality/

Szene Nummer 4 / Alltagsfragen

Präparator: Sie wünschen?
Elisabeth: Ich möchte hier jemand Zuständigen sprechen.
Präparator: In was für einer Angelegenheit?
Elisabeth: In einer dringenden Angelegenheit.
Präparator: Haben Sie einen angehörigen Toten bei uns?
Elisabeth: Es dreht sich um keinen angehörigen Toten, es dreht sich um mich selbst persönlich.
Präparator: Wieso denn das hernach?
Elisabeth: Sind der Herr hier die zuständige Instanz?
Präparator: Ich bin der Präparator. Sie können sich mir ruhig anvertrauen.
Stille.
Elisabeth: Man hat mich nämlich extra darauf aufmerksam gemacht, daß man hier seinen Körper verkaufen kann — das heißt: wenn ich mal gestorben sein werde, daß dann die Herren da drinnen mit meiner Leiche im Dienste der Wissenschaft machen könne, was die Herren nur wollen — daß ich aber dabei das Honorar gleich ausbezaht bekomme. Schon jetzt.
Präparator: Das ist mir neu.
Elisabeth: Man hat mich aber extra darauf aufmerksam gemacht.
Präparator: Wer denn?
Elisabeth: Eine Kollegin.
Präparator: Was sind Sie denn von Beruf?
Elisabeth: Jetzt habe ich eigentlich nichts. Es soll ja noch schlechter werden. Aber ich lasse den Kopf nicht hängen.
Stille
Präparator: Seine eigene Leiche verkaufen — auf was die Leute noch alles kommen werden.
Elisabeth: Man möchte doch nicht immer so weiter.

Ödön von Horváth: Glaube Liebe Hoffnung

bloß nicht

 

 

 

 

 

 

Ich jedenfalls versuche in einem Pilotprojekt (das ja doch keines ist, aber es kommt mir manchmal so vor), die Fähigkeiten meiner Kinder nicht auf die Bedürfnisse der Wirtschaft auszurichten.

(Zitat des Tages als Bildschirmfoto der Online-Ausgabe der jungen welt vom 4. Juli 2013)

time is on my side

Langsam sein, total langsam.

Denken an Kristin Hersh, die zu einem Konzert vor vielen Jahren zu spät kam. Zwar pünktlich zum Konzert in der Passionskirche, aber insgesamt, wie sie sagte, drei Tage zu spät, und sie sei noch nie ganze Tage zu spät gekommen. Damals verstand ich nicht, wie das sein konnte, wie man sich so verspäten kann. Aber jetzt: Ich bin in mancher Hinsicht Jahre zu spät. Man muss, glaube ich, immer gründlich sein.

Wie man nicht fertig wird

Ich weiß, wie man nicht fertig wird, und nie will ich fertig werden. Ich schrecke vor jedem Abschluss zurück, vor diesem Hieven und Drängeln dem Ende entgegen, diesem Kraftakt.

Ich arbeite wieder an einem Text, an dem ich schon lange arbeitete, den ich schon einmal beendet habe. Ich schob die erneute Arbeit an diesem Text ewig auf. Oh, der benötigte Mut. Ich arbeite am Text mit der Sorge, ihn irgendwie zu beschädigen. Ich erfinde jeden Tag etwas, das unbedingt noch mit hinein muss. Jeder Tag bringt eine neue tolle Idee, die ich, kaum dass ich sie aufgenommen habe, wieder verwerfe. Ich erzähle A alle meine Ideen, all die tollen Ideen, davon, was alles rein soll in den Text. Davon, wie ich alte Texte in den neuen fügen kann. Ich berichte ihm, weil ich übersprudele und weil ich, nachdem ich ihm berichtet habe, mehr weiß.  A stimmte am ersten Tag zu, versteht genau, was ich vorhabe.  Am nächsten Tag hörte er – immerhin, aber nur noch – wohlwollend zu. Vorhin, während ich von der neuen tollen Idee berichtete, bearbeitete er sein Smartphone. Ich überlege nun, einen so betitelten Text zu schreiben: “Über den allmählichen Abschied von den tollen Ideen beim Betrachten des Liebsten mit dem Smartphone in der Hand.”

Julia Voss bringt alles auf den Punkt

Ich mag die Artike on Julia Voss sehr.

Hier schreibt sie über Georg Baselitz oder das System Georg Baselitz. Daraus als Lieblingssatz für heute: “Gegen diesen Erfolg ist nichts einzuwenden. Nur: Man kann nicht in Heerscharen gegen den Strom schwimmen. Man ist der Strom.”

Zu Amazon

Oder eben mal nicht zu Amazon. Und wie ging dieser Witz, der so endet: Zu Aldi. Was, schon zu?

Also, ganz ohne Pointengespür, man muss nicht bei Amazon kaufen, und wenngleich Thomas Wagner hier gerade betont, man solle als Ausweg aus dem Amazon-Dilemma den Menschen nun nicht nur als Konsumenten sehen, sondern ihn auffordern, sich in Buchhandlungen vor Ort zu engagieren, diese also gewissermaßen als Orte des persönlichen und gesellschaftlichen Interesses betrachten, muss auch der Konsument betrachtet werden. Und diesem muss klar gesagt werden, dass er auch woanders Bücher bestellen kann. Erstens kann er jede Buchhandlung anrufen und sie bestellt ihm alles (fast) bis zum nächsten Tag. Zweitens kann er zu jpc oder kohlibri. Um nur zwei Beispiele zu nennen.

Man nimmt dafür zuweilen Wege in Kauf, man nimmt in Kauf, manchmal (bei fremdsprachigen Büchern oder CDs) mehr zu bezahlen.

Man muss sein Gewissen trainieren. Man darf nicht nachgiebig sein. Klicken ist eine Handlung, die für markante Resultate sorgt. Klicken kann Riesen machen. Man muss nicht boykottieren, aber man darf boykottieren. Man könnte erst dann bei Amazon kaufen, wenn es wirklich nicht anders geht. Meistens geht es anders. Man kann auch verzichten. Es ist nicht das relevanteste Wissen, jenes Wissen darum, dass es ein Produkt erstens gibt, zweitens doch gibt, drittens in der Wunschfarbe, viertens in der passenden Größe, fünftens zum Schnäppchenpreis, sechstens ohne die maulende Verkäuferin. Man kann sich sagen: Das weiß ich nun, aber: Danke, nein. Man muss den wirklichen Preis kennen. Man kann klüger kaufen. Mal hier, mal dort. Man muss mit maulenden Menschen nicht immer, aber könnte mit ihnen ins Gespräch kommen. Ich bin dafür, die Angestellten zu fragen, wie zufrieden sie mit ihrem Arbeitgeber sind. Man sollte versuchen, dort zu kaufen, wo zufriedene, wenigstens nicht vom Arbeitgeber im Unglück und Knebelung gehaltene Angestellte arbeiten. Man sollte dort kaufen, wo freie Menschen arbeiten. Das gilt für Bücher, gilt für alles. Man kann und muss sich erziehen.

Voraussetzungen des Erfolgs/Teil 2: Fremdsprachen

Hawaiianisch und Arabisch

Voraussetzungen des Erfolgs/Teil 1

Sportlichkeit