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nicht bei Dings

Der Lieblingssatz des Tages heute von Franz Dobler in der jungen Welt: “Beim Label ist es billiger als bei Dings.”
Quelle: http://www.jungewelt.de/2013/12-17/047.php

Bloß nicht bei Dings kaufen.

Zu Amazon

Oder eben mal nicht zu Amazon. Und wie ging dieser Witz, der so endet: Zu Aldi. Was, schon zu?

Also, ganz ohne Pointengespür, man muss nicht bei Amazon kaufen, und wenngleich Thomas Wagner hier gerade betont, man solle als Ausweg aus dem Amazon-Dilemma den Menschen nun nicht nur als Konsumenten sehen, sondern ihn auffordern, sich in Buchhandlungen vor Ort zu engagieren, diese also gewissermaßen als Orte des persönlichen und gesellschaftlichen Interesses betrachten, muss auch der Konsument betrachtet werden. Und diesem muss klar gesagt werden, dass er auch woanders Bücher bestellen kann. Erstens kann er jede Buchhandlung anrufen und sie bestellt ihm alles (fast) bis zum nächsten Tag. Zweitens kann er zu jpc oder kohlibri. Um nur zwei Beispiele zu nennen.

Man nimmt dafür zuweilen Wege in Kauf, man nimmt in Kauf, manchmal (bei fremdsprachigen Büchern oder CDs) mehr zu bezahlen.

Man muss sein Gewissen trainieren. Man darf nicht nachgiebig sein. Klicken ist eine Handlung, die für markante Resultate sorgt. Klicken kann Riesen machen. Man muss nicht boykottieren, aber man darf boykottieren. Man könnte erst dann bei Amazon kaufen, wenn es wirklich nicht anders geht. Meistens geht es anders. Man kann auch verzichten. Es ist nicht das relevanteste Wissen, jenes Wissen darum, dass es ein Produkt erstens gibt, zweitens doch gibt, drittens in der Wunschfarbe, viertens in der passenden Größe, fünftens zum Schnäppchenpreis, sechstens ohne die maulende Verkäuferin. Man kann sich sagen: Das weiß ich nun, aber: Danke, nein. Man muss den wirklichen Preis kennen. Man kann klüger kaufen. Mal hier, mal dort. Man muss mit maulenden Menschen nicht immer, aber könnte mit ihnen ins Gespräch kommen. Ich bin dafür, die Angestellten zu fragen, wie zufrieden sie mit ihrem Arbeitgeber sind. Man sollte versuchen, dort zu kaufen, wo zufriedene, wenigstens nicht vom Arbeitgeber im Unglück und Knebelung gehaltene Angestellte arbeiten. Man sollte dort kaufen, wo freie Menschen arbeiten. Das gilt für Bücher, gilt für alles. Man kann und muss sich erziehen.

Geschäfte vor dem Mond

Hier, offensichtlich hinter dem Mond, erfahre ich erst heute, dass Amazon ZVAB gekauft hat, was mir doch recht betrüblich vorkommt, weil nun erstens die Alternativen beim antiquarischen Buchkauf im Internet weiter schwinden, und zweitens, weil ich einen Satz in meinem aktuellen Manuskript streichen muss, der mir gut gefiel. Diesen: “Wenn es nicht anders ging, kaufte sie weiterhin bei Amazon ein. Sie rechnete jeden Tag mit einer Mitteilung von ZVAB, dass ZVAB nun aufhöre, sie verlas sich auch, las im Betreff einer E-Mail Finaler Gruß aus dem Antiquariat und nicht Floraler Gruß aus dem Antiquariat…” Oder doch nicht streichen? Nun, das kann zu gegebener Zeit entschieden werden. Aufschub duldet aber nicht die Abschaffung der Generosität gegenüber dem Interpretationsspielraum der eigenen Prinzipien, die Hannes Hintermeier in der FAZ am 8. Februar so beschrieb: “So sprach neulich ein bekannter Sachbuchautor, der lieber nicht genannt werden will: Er hasse Amazon, wirklich aufrichtig und mit allem Nachdruck. Man müsse sich mit aller Gewalt gegen diesen Monopolisten stemmen. Freilich, wenn er ein Buch wolle, sage er einfach seiner Frau Bescheid und die bestelle es für ihn – bei Amazon.”

Und wenngleich es unglaublich erscheint, gibt es ja alle Nase lang Leute, die dermaßen in Prinzipienhoheit stolzieren und ihnen wächst nie eine Lügennase, und kein Zweifel kratzt sie.

Jedenfalls ist die Vorherrschaft Amazons mittlerweile nicht mehr kleinzureden, aber ich trage auch zu dieser Vorherrschaft bei und will manchmal den Buchhändlern oder Antiquaren vor Ort nicht begegnen oder kann ihnen dann, wenn ich ihnen begegnen könnte, nicht begegnen. Interessant zu Amazon auch Roland Preuß’ heutiger Artikel in der FAZ: “Nicht ohne Ironie ist, dass die älteste deutsche Universitätsbibliothek, die Heidelberger, ihren Online-Katalog mit Amazon-Bildchen schmückt, die die Studenten, ohne dass sie eigens darauf hingewiesen würden, bei Klick direkt auf die Seite des Luxemburger Steuerumgehungskonzerns lenken, wo sie neuerdings vom ‘Amazon Student’-Dienst ‘abgeholt’ werden.” (13. Februar 2013, Feuilleton, S. 25) Das darf so nicht sein.

Natürlich geht es Amazon nicht ums Lesen, es geht Amazon nur um den Anfang und die ewige Wiederholung dieses Experiments, Bücher eben an Regentagen kaufen zu können, ohne dafür das Haus verlassen zu müssen. Dazu um andere Experimente am Menschen, aber eben nicht ums Lesen. Sagt mir mein Verstand, der, anders als der bekannte Sachbuchautor von oben – genannt werden will.